Fertigung und Logistik im organisationalen Wandel - menschzentriert und IT-unterstützt (FLoW-mIT)
Teilprojekt "Wandlungsfähigkeit und Effizienz in der Produktion"
Ausgangssituation
Angesichts eines zunehmend volatilen und unsicheren Umfelds gewinnt die Wandlungsfähigkeit der Produktion stark an Bedeutung und entwickelt sich zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor für industrielle Unternehmen. Die große Herausforderung besteht darin, Effizienz und Wandlungsfähigkeit in ein sinnvolles Gleichgewicht zu bringen: Während Effizienz – insbesondere im Kontext von Lean Production – auf die Minimierung von Beständen und die Steigerung der Prozesseffizienz ausgerichtet ist, verlangen Flexibilität und Wandlungsfähigkeit in der Produktion häufig bewusst großzügiger dimensionierte Prozesse sowie höhere Bestände, um kurzfristig auf schwankende Kundenbedarfe und eine steigende Vielfalt an Produktvarianten reagieren zu können.
Zielsetzung
Für produzierende Unternehmen sollte eine Methodik zur Identifikation und Auswahl geeigneter Ansätze und Technologien entwickelt werden, die zugleich Effizienz und Wandlungsfähigkeit fördern. Kernbestandteil ist ein Werkzeugkasten aus Industrie-4.0- und Lean-Ansätzen, der fundierte Entscheidungen zur Steigerung der Wandlungsfähigkeit in der Produktion ermöglichen soll. Dabei wird der bestehende Zielkonflikt zwischen Effizienz und Wandlungsfähigkeit aufgegriffen und systematisch berücksichtigt.
Ergebnisse
Das KMP hat im Rahmen des Projekts FLoW-mIT eine Methodik entwickelt, mit der ein angemessenes Maß an Wandlungsfähigkeit in der Produktion bestimmt werden kann. Ausgangspunkt ist dabei eine systematische Betrachtung unterschiedlicher Flexibilitätsarten.
Zunächst wurde eine weitgehend überschneidungsfreie Zusammenstellung relevanter Flexibilitätsarten erarbeitet. Daraus lassen sich verschiedene Ausprägungen und Stufen der Veränderungsfähigkeit ableiten, die in ihrer Gesamtheit die Wandlungsfähigkeit eines Produktionssystems beschreiben. Mit Hilfe eines Excel-basierten Werkzeugs können die Veränderungsfähigkeiten einzelner Prozessschritte, Stationen und kompletter Produktionssysteme erfasst und bewertet werden. Durch den Vergleich mit definierten Wandlungsszenarien lässt sich die Gesamtsituation der Wandlungsfähigkeit beurteilen und es können zentrale Wandlungshemmnisse identifiziert werden.
Die identifizierten Wandlungshemmnisse und Wandlungsbedarfe können nun über einen Werkzeugkasten mit Ansätzen zur Erhöhung der Wandlungsfähigkeit aus Literatur und Praxis bearbeitet werden. Insbesondere die Ansätze der Industrie-4.0 und des Lean Managements sind bezüglich ihrer Auswirkungen auf Aspekte der Wandlungsfähigkeit und der Effizienz detailliert bewertet.
Die beschriebene Vorgehensweise zur Analyse von Veränderungsfähigkeiten und zur Ermittlung von Wandlungshemmnissen wurde systematisch und allgemeingültig konzipiert. Sie ist daher ohne größere Anpassungen in unterschiedlichen Fertigungs- und Montagebereichen sowie in administrativen Prozessen einsetzbar. Die Effekte der Maßnahmen auf Wandlungsfähigkeit und Effizienz sind im Kontext des jeweiligen Anwendungsfalls und Produktionsumfelds anzupassen.
Die Methodik zur Bewertung der Veränderungsfähigkeiten wurde bislang in zwei Produktionsbereichen der John Deere GmbH & Co. KG angewendet, einer Teilefertigung sowie einer Baugruppenmontage für Traktoren.

